EMS – Energiemangelsyndrom

Hier eine kurze Erklärung, wie ein Energiemangelsyndrom entsteht und wie es sich auswirkt:

EMS = Energiemangelsyndrom

WT = Wassertemperatur

Koi haben einen Energiespeicher – bildlich betrachtet eine Art Akku. Dieser muss hauptsächlich über zwei Faktoren geladen werden:

Erstens: Über die für einen ausreichenden Stoffwechsel notwendige Wassertemperatur. Ab 16°C WT aufwärts und eine möglichst lange Zeit über 23°C.

Zweitens: Über die Nahrungsaufnahme. Hier spielt die Frische und die Qualität des Futters und die Anreicherung von Omega 3-Fettsäuren gerade im Herbst eine mit entscheidende Rolle.  

Diese Akkuladung wird wie folgt beeinträchtigt:

  • Temperaturen unzureichend,
  • altes oder minderwertiges Futter (und da reden wir nicht von Marke und Preis),
  • Neuzugänge,
  • parasitäre Probleme,
  • bakterielle Probleme,
  • Ablaichvorgänge,
  • schlechte Wasserwerte,
  • sinnlose Wasserzusätze,
  • Algenmittel,
  • Umbauarbeiten am oder im Teich, gärtnerische Tätigkeiten usw, usw..  

Dann kommt der Herbst und die WT sinkt. Dem Fisch ist es dabei egal, ob außerhalb seines Lebensraums viel oder wenig Schnee liegt. Es ist ihm auch egal, ob in unserer Umwelt +2°C oder –15°C herrschen. Entscheidend ist für den Fisch in erster Linie seine Wassertemperatur.

Nach einem in unserer Umwelt milden Winter hört man gerne folgenden Satz:

„Wieso EMS – wir hatten doch gar keinen harten Winter“.

Das ist ein Trugschluss, weil:

Unter 8°C WT wird wohl Futter aufgenommen, aber energietechnisch nicht verwertet. Das bedeutet: Koi kommt in Bewegung und frisst, aber verbraucht für die Aufnahme und Verdauung mehr Akkukapazität, als er Energie aus dem aufgenommenen Futter gewinnen kann. Je nach den oben genannten Faktoren geht der Energiespeicher früher oder später gegen Null.

Folge oder anders ausgedrückt: Ein Energiemangelsyndrom.

Was passiert nun:

Ein Karpfen stellt zu diesem Zeitpunkt seinen Energiehaushalt um auf eine Art Notversorgung innerer Organe.

Folge: Schleimhäute und Kiemen werden unterversorgt. Gewebe stirbt ab und abgestorbenes Gewebe neigt zur Verpilzung.

Für den Koihalter sichtbar: Der Koi liegt am Teichboden oder treibt an der Wasseroberfläche und atmet schwer. In Teichen mit Flachwasserzonen wird er diese bei Sonnenschein aufsuchen um Wärme zu gewinnen. Ebenfalls ein sicheres Anzeichen ist die Futterverweigerung.

Ein weiterer Punkt im Rahmen des Energiemangels:

Unterversorgung der Nieren. Für den Koihalter sichtbar: Glotzaugen oder/und beidseitige vom Kopf Richtung Schwanz beginnende Schuppensträube. Also Bauchwassersucht. ???Ansteckend???  Nein – nicht im frühen Stadium.

 

Abhilfe bei den ersten optischen Symptomen eines EMS:

So viel wie irgendwie möglich der oben aufgeführten Beeinträchtigungen abstellen. Das bedeutet gleichzeitig, dass das Kind bereits in der vergangenen Koi-Saison in den Brunnen fiel und im Nachhinein so gut wie nix mehr zu machen ist. Leider.

Manchmal hilft noch die Zugabe von Salz oder Chloramin-T im gesamten Teich in einer Dosierung von 2-2,5gr/m³, oder in Härtefällen Einzelbäder mit einer Dosierung von 1gr Chloramin-T auf 50l Wasser für 45-60 Minuten mit guter Belüftung. Wiederholung an Tag 3 und 5.

  

Fazit:

Wenn Koi mit einem Energiemangelsyndrom kämpfen, gibt es wenig Heilungschancen. Man muss in der Tat fast zusehen, was die Natur regelt und für die Zukunft versuchen gemachte Fehler abzustellen.

Sicherlich könnte man in einigen Punkten näher ins Detail gehen, aber es soll ja allgemein verständlich bleiben. 

 

Bilder zu EMS: